Gestohlene Fenster

Ich bin ein Kontrollfreak, ich gebe es zu. Wenn ich Dinge bediene, dann sollen sie so funktionieren, wie ich es will und gewohnt bin. Das gilt auch — oder gerade — für Software.

Ich hasse es, wenn ein Programm glaubt, die Kontrolle über meinen Computer übernehmen zu müssen. In Windows haben Programme die Unart, sich wegen irgendeines Blödsinns in den Vordergrund zu schieben. Öfters tippe ich, ohne dauernd auf den Bildschirm zu starren. Die Folgen sind bekannt: bestenfalls gehen die eben noch brilliant formulierten Überlegungen oder die geniale Programmidee ins Nirwana, im schlimmsten Fall führt man irgendeine nicht widerrufbare Aktion durch, die irreparable Schäden am Festplatteninhalt anrichtet.

Trotz intensiven Googelns habe ich keine Möglichkeit gefunden, Windows diese lästige Eigenschaft abzugewöhnen. Es gibt keine Möglichkeit, Programmen zu verbieten, sich einfach in den Vordergrund zu schieben, Stichwort »focus stealing«. Trotz neuer Windowsversionen hat Microsoft dieses wichtige und von vielen Userinnen heiß ersehnte Feature noch immer nicht realisiert, es ist vermutlich weder beabsichtigt noch überhaupt angedacht. Wo kämen wir denn hin, wenn die Userin die Kontrolle über ihren Computer hätte!

Stay focused!

Zu Stampfen

Ich hasse China-Klumpert.

Ich hasse dieses billige Plastik-Zeug aus dem fernen Osten, das uns überschwemmt. Ich hasse die Billig-Stoffetzen, die nach einem Mal Waschen nur mehr als Putzfetzen taugen. Ich hasse diese verschweißte Billig-Elektronik, die zuverlässig kurz nach Ende der Gewährleistung den Geist aufgibt, sofern man sie nicht schon bereits bei nach der ersten vergeblichen Inbetriebnahme entsorgt hat, weil sich Reklamation einfach nicht lohnt.

Trotzdem entkomme ich diesem billigen Klumpert, das unter fragwürdigen ökologischen Bedingungen und unter maximaler Ausbeutung der Arbeiterinnen hergestellt wurde, nicht. Es gibt einfach nichts anderes mehr zu kaufen.

Ich würde liebend gerne für ein T-Shirt 20€ anstatt 5€ zahlen, wenn es in Europa produziert wäre und eine ordentliche Qualität hätte. Tatsächlich gewährleistet auch die Ausgabe beliebig hoher Beträge für ein Produkt nicht, dass es in Europa produziert wurde, selbst renommierte Luxusmarken lassen in China fertigen. Laufschuhe beispielsweise kosten weit über 100€ das Paar und werden trotzdem in China produziert, obwohl die Produktionskosten nur einen Bruchteil des Verkaufspreises ausmachen.

Auch hippe Handys werden in China produziert, immerhin haben sie jetzt Netze vor die Fenster gespannt, damit die Arbeiterinnen nicht mehr in Massen rausspringen.

Unlängst beklagte meine Mutter, dass ihre Flotte Lotte verrostet wäre, insbesondere die Passierscheiben, die zu diesem Gerät gehören, das Gehäuse ist ohnehin aus Plastik. Beim Spazieren durch den ersten Wiener Bezirk fiel mir in einer Auslage eine Flotte Lotte auf, die komplett aus rostfreiem Edelstahl bestand. Sie war auch nicht besonders teuer, und außerdem war sie in Italien hergestellt.

Gesehen, gekauft. Auf dem Rückweg vom Eissalon, den wir vor 28 Jahren als winziges Lokal zufällig gefunden hatten und wo wir immer dieses wunderbare Walnusseis gegessen hatten (es schmeckte noch genau wie damals), erstand ich dieses Gerät. Der Geschäftsinhaber war herrlich altmodisch, ein älterer Herr, der mich freundlich begrüßte, nach meinen Wünschen fragte und außerdem noch Humor hatte. Wahrscheinlich sperrt er wegen der Registrierkassenpflicht demnächst zu.

Daheim kamen mir jedoch leichte Zweifel am Produktionsstandort. Ich suchte auf der Packung die deutsche Beschreibung und fand sie einfach nicht. Auf italienisch lautete es folgendermaßen:

Passatutto in acciaio inox 18/10 con tre filtri intercambiabili studiato per ottenere passati di ogni tipo.

Englisch(?):

18/10 stainless steel vegetable mill, studied to mash every type of vegetable.

In einer mir nicht geläufigen Sprache:

18/10 Auszieher Masse des roastfreien Stahls, studierd um jede Art Gemuse usw. zu Stampfen.

Mein Verdacht ist, dass es sich hierbei um die deutsche Beschreibung handelt, ich bin mir jedoch nicht sicher. Entweder haben sie es in Italien nicht so mit den Sprachen, oder die Beschreibung wurde in China mit Hilfe von (schlechten) Wörterbüchern übersetzt. Hoffentlich ist nur die Beschreibung in China produziert worden.

Stay focused!

Radio Wien verliert den Sommerhit

In letzter Zeit ist es bei den ORF-Radiosendern Mode geworden, das Publikum für sich arbeiten zu lassen. Selbst mein Lieblingssender, der werbefreie Ö1, veranstaltet immer wieder Wettbewerbe, sei es mit Hörspielen oder Dokumentation, bei denen die Zuhörerinnen aufgerufen sind, sich kreativ zu betätigen. Ich zahle Radiogebühren, hallo, und soll auch noch mein Programm selber machen? Weiterlesen